
Bundestag diskutiert über Organspende
Abgeordnete starten im Bundestag einen neuen Anlauf für die Widerspruchslösung bei der Organspende. Wer nicht widerspricht, soll automatisch Organspender sein. UPDATE: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef-Laumann spricht sich als Berichterstatter des Bundesrats dafür aus.
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Mehr als 8.000 Menschen warten in Deutschland gerade auf ein Spenderorgan. Gespendet wurden im letzten Jahr nur knapp 1.000. 254 Bundestagsabgeordnete von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken starten deshalb einen neuen Anlauf für die sogenannte Widerspruchslösung bei der Organspende. Die Abgeordneten bringen heute einen Gesetzentwurf in den Bundestag ein. Gleichzeitig gibt es einen Gegenentwurf.
Widerspruchslösung: Wer nicht widerspricht, wird automatisch Organspender
„Nach dem Gesetzentwurf kommt als Organ- und Gewebespenderin oder Organ- und Gewebespender künftig sowohl die Person, die in eine Organ- oder Gewebeentnahme eingewilligt hat, als grundsätzlich auch die Person, die einer Organ- oder Gewebeentnahme nicht ausdrücklich widersprochen hat, in Betracht.“
So steht es in dem Gesetzentwurf der Anhänger einer Widerspruchslösung. Das heißt: Wer nicht explizit sagt, dass er kein potenzieller Organspender sein will, wird automatisch zu einem. Die Entscheidung soll allein beim möglichen Organspender liegen.Angehörige dürfen sich nicht darüber hinwegsetzen. Im Gesetzestext heißt es: „Entscheidend soll allein der Wille der möglichen Organ- oder Gewebespenderin oder des möglichen Organ- oder Gewebespenders sein. Der oder dem nächsten Angehörigen der möglichen Organ- oder Gewebespenderin oder des möglichen Organ- oder Gewebespenders steht kein eigenes Entscheidungsrecht zu, es sei denn, die mögliche Spenderin oder der mögliche Spender ist minderjährig und hat keine eigene Erklärung abgegeben.“
Die Bundestagsabgeordneten für den Kreis Steinfurt, Jürgen Coße von der SPD und Ulrich Thoden von der Linken, unterstützen den Gesetzentwurf. Auch wenn viele Menschen generell bereit wären, Organspender zu werden, gehe die Auseinandersetzung mit dem Thema im Alltag oft unter. „Deshalb ist aus meiner Sicht die Widerspruchslösung der richtige Weg, bei dem sich jeder Mensch mit der Frage seiner eigenen Spendenbereitschaft ernsthaft befassen und auseinandersetzen muss. Das ist vernünftig und er kann dafür sorgen, dass wir Leben retten“, erklärt Coße.
Gegenentwurf: Freiwilligkeit bleibt, dafür mehr Aufklärung
58 Abgeordnete aus Union, SPD, Grünen und Linken haben einen Gegenentwurf zur Widerspruchslösung eingereicht. Dazu gehört unter anderem die CDU-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Steinfurt, Anja Karliczek. Sie ist der Meinung, dass noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, Menschen zu informieren und zu überzeugen, sich freiwillig als potenzielle Organspender zu registrieren.
Viele wüssten zum Beispiel schlichtweg noch nicht, dass es online ein Organspenderegister gibt. „Außerdem kann man auch einen Mittelweg wählen, indem man eine persönliche Ansprache zum Beispiel bei der Ausweisbeantragung bei der Kommune wählt, um noch mal auf die Möglichkeit, Organspender zu werden, hinzuweisen“, sagt Karliczek. Außerdem würden Menschen den Staat gerade als übergriffig wahrnehmen. Die Widerspruchslösung würde das verstärken.
Karl-Josef-Laumann: Solidarität ist keine Einbahnstraße
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann aus Hörstel hat sich im Bundestag als Berichterstatter des Bundesrats für die Widerspruchslösung bei der Organspende ausgesprochen. Bundesweit gab es letztes Jahr gerade mal 985 Organentnahmen, sagte Laumann.
„Wir haben viel zu wenig Organe,“ sagte Laumann weiter. Daran habe sich auch dadurch nichts geändert, dass die Politik die Aufklärung zum Thema Organspende immer weiter verbessert habe. Bei der Widerspruchslösung müssten Menschen entscheiden, ob sie als Organspender bereitstehen oder nicht und das würde auch erfasst.
Die Widerspruchslösung bedeute für ihn im Kern: Jeder muss sich mit der Frage beschäftigen und eine Entscheidung treffen, sagte Laumann weiter. Diese Entscheidung könne zu Lebzeiten jederzeit geändert werden.

