
Bei dem, was ich tue und auf den Weg bringe, versuche ich, mich davon leiten zu lassen, die Perspektive der Betroffenen und Opfer in den Mittelpunkt zu stellen. Es geht nicht darum, das Ansehen der Kirche wieder zu verbessern, sondern den Betroffenen zuzuhören und ihren Anliegen möglichst gerecht zu werden.
Flyer und Brief an Kirchenvorstände
Münsters Bischof Felix Genn wendet sich in einem Brief an die Mitglieder in den Pfarreiräten und Kirchenvorständen im Bistum Münster. Er informiert die Ehrenamtlichen darüber, was die katholische Kirche im Bistum Münster konkret im Kampf gegen sexuellen Missbrauch bereits getan hat. Außerdem dankte der Bischof den Mitgliedern dafür, dass sie sich trotz der Belastung durch das Thema weiter engagieren. Das sei alles andere als selbstverständlich.
Unabhängige Experten arbeiten Vergangenheit auf
Er versichert den Ehrenamtlichen, dass es ihm wichtig sei, die Vergangenheit von unabhängigen Experten aufarbeiten zu lassen. Mit Blick auf die Zukunft werde das Bistum mit externer Hilfe alles dafür tun, sexuellen Missbrauch im Raum der Kirche zu verhindern. Bischoff Felix Genn schreibt:
Jenseits der Schuld und Verantwortung einzelner Täter und Beschuldigter, sowie derjenigen, die Täter und nicht Opfer geschützt haben, gibt es auch systemische Bedingungen, die sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche begünstigen. Die zwingende Konsequenz kann daher nur lauten, dass wir diese systemischen Bedingungen soweit als möglich verändern. Hiermit beschäftigen wir uns mit Nachdruck und mit externer Unterstützung auf Ebene der Deutschen Bischofskonferenz; wir werden uns bei zentralen Fragen hier auch mit den Verantwortlichen der Weltkirche besprechen und auseinandersetzen.
Der Bischof macht aber deutlich, dass auch im Bistum selbst Maßnahmen auf den Weg gebracht werden müssten. So müsse die Macht in der Kirche neu verteilt werden. Zudem solle bei der Lösung von entscheidenden Fragen in allen zentralen Gremien mehr externer Sachverstand einfließen.
Keine Kirche der Verbote und Gebote
Bischof Genn schließt sein Schreiben mit einer, wie er unterstreicht, ihm persönlich sehr wichtigen Feststellung. Er wolle nicht, dass das Bistum Münster eine Kirche der Verbote und Gebote sei, sondern eine Kirche, die in Beziehung zu den Menschen lebe und die Beziehung zu Jesus Christus ermögliche. Als Bischof könne und wolle er den Raum öffnen, dass das möglich sei. Hierzu gehöre sicher auch, dass der Blick auf Fragen der menschlichen Sexualität weniger verklemmt- und moralisierend sei, sondern deutlich mache, welch wunderbares Geschenk Sexualität sei.
Er ermutigt die Ehrenamtlichen, sich mit weiteren Anregungen, Ideen und Vorschlägen in die Debatten einzubringen.