
Münster-Sendenhorst: Gericht macht Weg für die Bahn frei
Die Westfälische Landes-Eisenbahn (WLE) darf auf der Strecke Münster-Sendenhorst im Kreis Warendorf vorläufig mit den ersten Bauarbeiten beginnen. Nach mehr als 50 Jahren sollen dort wieder Personenzüge rollen.
Darum scheitern die Anwohner vor Gericht
Die 15 Anwohner hatten sich gegen den Plan der Bezirksregierung Münster gewehrt. Das OVG sieht ihre Rechte jedoch nicht verletzt. Die Bahn braucht keine Fläche von ihren Grundstücken. Deshalb dürfen die Anwohner nur Fehler rügen, die sie selbst betreffen. Eine Prüfung des gesamten Plans können sie nicht erzwingen. Auch beim Lärm sehen die Richter kein Problem. Sie erwarten keine Belastung, die Anwohnern unzumutbar wäre. Reicht der Schallschutz doch nicht aus, kann die Bahn ihn auch nach dem Streckenbau noch nachrüsten.
Das Geld für das Projekt steht ebenfalls bereit. Das 187-Millionen-Euro-Projekt hat Fördergeld sicher. Der Bund gibt 161 Millionen Euro, das Land NRW weitere 9 Millionen Euro. Zusammen übernehmen sie 95 Prozent der Baukosten. Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) bewilligte 169.651.800 Euro. Der Streit um die Strecke ist damit noch nicht vorbei. Gegen den Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung laufen noch sieben Klagen. Zwei stammen von Antragstellern der Eilverfahren, fünf von weiteren Anwohnern. In zwei Fällen trifft der Ausbau auch Grundstücke der Kläger. Einen Termin für die Entscheidung nennt das OVG noch nicht.
Das bringt die Bahn Pendlern und Fahrgästen
Die 21 Kilometer lange Strecke soll Autofahrer aus dem südöstlichen Münsterland aus dem Stau holen. Pro Stunde fahren drei Züge von Münster bis Wolbeck, zwei davon weiter bis Sendenhorst. Vom Hauptbahnhof nach Wolbeck braucht die Bahn rund 15 Minuten, bis Sendenhorst etwa 30 Minuten. Die Linie mit dem Arbeitstitel S 68 verbindet Sendenhorst und Albersloh mit der Münsteraner Innenstadt. Auf dem Weg hält sie in Wolbeck, Angelmodde und Gremmendorf, im Gewerbegebiet Loddenheide und an der Halle Münsterland. Beschäftigte im Gewerbegebiet und Besucher der Halle erreichen ihr Ziel damit ohne Stau und Parkplatzsuche. Batteriezüge übernehmen den Betrieb. Sie laden im Hauptbahnhof Münster, deshalb braucht die WLE keine Oberleitungen. An allen fünf Haltepunkten in Münster baut die WLE im Auftrag der Stadt eine Mobilstation. Zu jeder gehört eine Leezenbox, in der Radfahrer ihr Rad wettergeschützt abstellen. So klappt der Umstieg von Rad auf Bahn leichter. Die Strecke ist Teil der „S-Bahn Münsterland“, die mit dichteren Takten auf neun Linien die ganze Region enger verbinden soll.