
Nicht witzig, wenn mitten in der Ausbildung plötzlich der Lehr-Betrieb schwächelt oder der sicher geglaubte Ausbildungsvertrag auf der Kippe steht. Das sind Sorgen, die Jugendliche in der RADIO RST-Region haben, jetzt, wo Corona manchen Firmen schwer zu schaffen macht. Noch ist es die Ausnahme, dass eine Ausbildung platzt. Von einem verlorenen Jahrgang möchte Bundesbildungsministerin Karliczek aus Tecklenburg darum zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht sprechen.
Trotzdem bleibt der Fachkräftemangel ein Thema und damit auch die Frage, wie die Unternehmen weiter an gut ausgebildete junge Leute kommen. Jetzt geht es erstmal darum, die Wirtschaft insgesamt wieder auf Touren zu bringen, dann gibt es auch genug Ausbildungsplätze, sagt Karliczek. Für sie kommt es auf die Stimmung in den Unternehmen an. Einen guten Aufholprozess gebe es, wenn Chefs für ihre Azubis auch nach der Lehre eine Perspektive im Betrieb sehen.
Und fürs Erste gilt: Bei Problemen mit der Lehrstelle, sei es, dass es nicht weiter geht oder, dass es gar nicht erst losgeht, sofort an die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer oder die Kreishandwerkerschaft wenden. Die haben entsprechende Programme und Beratungshotlines.
Noch trifft es andere Regionen
Fest steht: Die Corona-Krise verschärft die Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Bundesweit sind acht Prozent weniger Ausbildungsstellen im Angebot als letztes Jahr um diese Zeit, sagt Karliczek. Dass der sicher geglaubte Ausbildungsvertrag platzt, weil der Ausbildungsbetrieb schwächelt, ist dabei noch die Ausnahme. „Soweit ist es hier bei uns im Handwerk noch nicht“, sagt zum Beispiel Frank Tischner von der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf.
„Wenn es dazu kommt, sind wir da und helfen“, sagt Tischner. Für die jungen Leute ist es erstmal ein Schock, doch auch das lasse sich beheben.
Die Kreishandwerkerschaft vermittelt Jugendliche über ihre Initiative „Find your Job“ und dann gehe es für sie woanders weiter. Noch ist der Ausbildungsmarkt im Kreis Steinfurt sehr stabil: Die gut 5.000 Handwerksbetriebe hier bilden aktuell 3.090 Azubis aus. Das sind pro Betrieb doppelt so viele, wie bundesweit. Und falls es doch Probleme gibt: Melden, sagt Tischner.
Situation für Azubis allgemein belastend
Auch wenn es im Kreis Steinfurt noch überwiegend keine Probleme gibt lauft: Azubis sind durch Corona seit Wochen im Ausnahmezustand. Anfang April haben wir schon einmal mit Lucas Lütke aus Hörstel gesprochen. Er wird Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik und ist im zweiten Lehrjahr. Lucas ist hauptsächlich zuhause, wenn er nicht arbeitet, und auch bei der Arbeit gibt es kein „Normal“, wie vor Corona.
Am 11.Mai hat Lucas die Zwischenprüfung geschrieben, Theorie - auch unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Lief gut für ihn. Die zwei Wochen davor gab es Unterricht in der Firma - extra für die Prüfung - und jetzt heißt es vorbereiten für den praktischen Teil Ende Juni.
Lernen für die Prüfung hat also weiter Vorrang. Wenigstens dafür ist Corona gut. Ansonsten steht Ausbildung auch im Kreis Steinfurt mittlerweile unter anderem Vorzeichen. Das findet auch Petra König von der Arbeitsagentur Rheine.
Die Verlangsamung trifft alle Beteiligten gleichermaßen, Ausbilder wie Auszubildende, sagt Petra König.
Für Jugendliche auf dem Sprung ins Berufsleben ist Corona momentan das Hindernis.
Man sieht ja, dass in einigen Bereichen auch mehr gesucht wird als sonst, nicht nur in den Pflegeberufen, auch im Handel. Einiges wird auch wieder ins Inland verlagert. Bedarf ist da, also schnell bewerben, heißt es von der Arbeitsagentur.
Beispiel Apetito
Und dann gibt es noch ein Beispiel, wie es auch geht: Der Tiefkühl-Caterer Apetito in Rheine verdoppelt die Zahl seiner Azubis dieses Jahr auf 40. Johanna Sökeland von Apetito erklärt den Grund für die Initiative.
Wie gesagt: Noch ist sowas hier im Kreis Steinfurt die Ausnahme. Trotzdem ist es gut, vorbereitet zu sein. Michael Große Verspohl sieht Apetito als großen Arbeitgeber auch in der Verantwortung, für junge Menschen Perspektiven zu sichern. Für ihn ist das übrigens keine Frage der Größe…
Das gilt auch für alle Jugendlichen, die sich jetzt Sorgen um ihre Zukunft machen, egal ob mit oder ohne Ausbildungsvertrag, sagt Johanna Sökeland.













