
Das Bundeskabinett bringt heute (17.06.20) die Ausbildungsprämie für kleine und mittelständische Unternehmen auf den Weg, um Ausbildungsplätze in der Krise zu erhalten. Ein weiterer Teil des Konjunkturpakets, um die Wirtschaft anzukurbeln. 2.000 Euro Ausbildungsprämie für kleine und mittelständische Unternehmen, die auch in Corona-Zeiten weiter ausbilden wie bisher. Soviel ist jetzt schon bekannt: Das Geld ist für Unternehmen gedacht, die von der Corona-Krise "in erheblichem Umfang" betroffen sind und trotzdem weiter ausbilden, wie bisher. Wer mehr ausbildet, bekommt auch mehr.
500 Millionen Euro sind im Topf
Wir haben Experten gefragt: Was kann die Prämie und ist das Geld richtig eingesetzt? Carsten Taudt von der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen sagt: Den Unternehmen in der RADIO RST-Region braucht man das Thema Ausbildung nicht schmackhaft zu machen.
Die Experten reden da vom Matching, also, dass Ausbilder und Bewerber passgenau zueinander finden. Geht also gar nicht so sehr darum, Ausbilder zum Ausbilden zu bewegen. Dass sie das auch so schon tun, sieht man ja daran, dass es bei uns mehr freie Ausbildungsstellen gibt als Bewerber. Immerhin: Die Ausbildungsprämie hilft vielleicht, den Betrieb attraktiver zu machen, wenn man sie richtig einsetzt…
Nur große Begeisterung löst die Ausbildungsprämie hier bei uns in der RADIO RST-Region nicht aus. Für Taudt geht es um grundsätzlicheres:
„Trotzdem ein Zeichen der Wertschätzung für die, die es tun,“ sagt Taudt. Vielleicht motiviert sowas zumindest mittelfristig, am Ball zu bleiben, um sich Fachkräfte zu sichern, denn eins steht fest: Soviele wie im Rekordjahr 2019 wird es nie wieder geben. Von jetzt an geht es zahlenmäßig bergab. Und wer weiß, vielleicht steigt der eine oder andere mit der Prämie ja doch noch in die Ausbildung ein.
Tut die Bundesregierung mit der Prämie also das Richtige, um den Ausbildungsmarkt anzukurbeln und damit Fachkräfte für die Zukunft zu sichern? Der Fachkräftemangel ist schon seit Jahren ein Riesen-Thema – dann kam noch Corona dazu. Frank Tischner von der Kreishandwerkerschaft hat da so seine Zweifel...
Genau wie in Industrie und Handel gibt es im Handwerk im Kreis Steinfurt auch so schon mehr freie
Ausbildungsplätze als Bewerber, sagt Tischner. An der Bereitschaft der Betriebe liegt es für ihn also nicht, Ausbildungsprämie hin oder her.
Immerhin – und das sagt auch Tischner: Für die Betriebe ist die Ausbildungsprämie ein guter Anreiz weiterzumachen und wer sie geschickt einsetzt, macht sich als Ausbilder attraktiver. Ist ja zusätzliches Geld, mit dem Keiner gerechnet hat. Warum also nicht nehmen, um was für die Azubis zu verbessern oder sie sogar nach der Ausbildung zu halten?
Arbeitsmarkt wird sich weiter stabilisieren
Dass die Lage sich normalisieren wird, erwartet man auch bei der Arbeitsagentur Rheine. Klar, von März bis Mai hat sich einiges verlangsamt. Es gab weniger freie Stellen und es haben sich auch weniger Jugendliche beworben. Doch jetzt zieht es wieder an. Und schon vor der Corona-Krise lief es gut im Kreis Steinfurt und es sind viele Ausbildungsverhältnisse zustande gekommen. In einem Punkt sind sich Alle einig: Bis zum Jahresende läßt sich noch einiges aufholen. Bleibt abzuwarten, was die Ausbildungsprämie der Bundesregierung für die Betriebe dazu beiträgt. Und die Arbeitsagentur wendet sich an die jungen Leute: „Wenn Du weißt, was Du werden willst, bewirb Dich JETZT und wenn nicht, komm zu uns und lass Dich beraten.“



