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Abtreibungen: "Ärzte haben Angst vor Anfeindungen"
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Abtreibungen: "Ärzte haben Angst vor Anfeindungen"

Die Diskussion über die Erzkonservative und Abtreibungsgegnerin Amy Coney Barett als Richterin für den US-Supreme-Court ist neuer Zündstoff für Abtreibungs-Diskussion in Deutschland und der RADIO RST-Region. Wir haben mit einer Aktivistin aus Münster gesprochen, die sich für Frauenrechte einsetzt.

Veröffentlicht: Montag, 12.10.2020 06:11

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Was passiert eigentlich mit den Vereinigten Staaten, wenn der Senat für Amy Coney Barrett als Richterin am Höchsten Gericht der USA stimmt – eine Erz-Konservative und erklärte Abtreibungs-Gegnerin? Färbt das auf den Rest der Welt ab, wenn die Kandidatin von Präsident Trump auf Lebenszeit für richtungsweisende Entscheidungen zuständig wird? Und was bedeutet das für Frauenrechte hier bei uns? Mal am Beispiel Abtreibung bei ungewollter Schwangerschaft: Auch wir waren hier schon mal weiter, sagt Christine Schmidt vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung. Selbst in Münster nehmen immer weniger Ärzte Schwangerschaftsabbrüche vor, Kliniken machen das gar nicht und selbst die Uniklinik macht nur Spätabtreibungen, die medizinisch notwendig sind.

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Christine Schmidt: "Immer weniger Ärzte trauen sich..."
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Die wenigen Ärzte, die "es" machen, meiden die Öffentlichkeit, aus Angst vor Anfeindungen. Andere fangen damit lieber gar nicht erst an. Wer will schon als „Abtreibungspraxis“ gelten? Solange Informationen auf der eigenen Homepage im §219a Strafgesetzbuch als Werbung gelten, wird sich das wohl nicht ändern, egal, wer in den USA höchste Richterin wird. Immerhin: Es ist neuer Zündstoff für die Diskussion über Abreibung und Frauenrechte auch hier bei uns. Am Samstag sind Abtreibungsgegner und -Befürworter in Münster wieder aufeinandergetroffen: Auf der einen Seite der 1000-Kreuze-Marsch, auf der anderen das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung. Christine Schmidt vom Bündnis hofft, dass das Thema auch hier jetzt wieder neu diskutiert wird.

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Abreibung in Deutschland seit ehedem ein Rand-Thema
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Gemeint sind die Paragraphen 218 und 219a. Sie verbieten Ärzten auch, auf ihrer Homepage über das Thema zu informieren. All das macht es ungewollt Schwangeren unglaublich schwer, einen Arzt zu finden, während gleichzeitig die Uhr gegen sie läuft. Eine Abtreibung geht nur bis zur 12. Woche und nur mit einer Bescheinigung von einer Beratungsstelle.

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Ungewollt Schwangere nicht nur unter Zeitdruck
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Im konkreten Fall bedeutet das auch schon mal Wege von zwei- bis dreihundert Kilometern irgendwohin, wo jemand den Abbruch vornimmt. Freie Arztwahl, eine Vertrauensbasis und gute Versorgung nach dem Eingriff gibt es in diesem Bereich nach wie vor nicht.

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