
Im Kreis Steinfurt ist die Zahl der Kleinen Waffenscheine innerhalb von zwei Jahren um 6,5% gestiegen. Hatten 2018 noch 3.485 Menschen im Kreis Steinfurt die Lizenz, mit Schreckschuss- und Signalwaffen oder Reizgas aus dem Haus zu gehen, sind es jetzt 3.713. „Eine unauffällige Entwicklung, wie in den Vorjahren,“ hieß es auf RADIO RST-Nachfrage bei der Kreis-Polizei.
Schwächerer Trend in Münster - deutlicherer Anstieg in Osnabrück
2018 hatten 1.059 Münsteraner einen Kleinen Waffenschein, in diesem Jahr sind es bis jetzt 1.101, ein Anstieg um 4%. Insgesamt weniger Kleine Waffenscheine sind in Osnabrück vergeben – allerdings ist der Anstieg deutlicher: Gegenüber 610 vor zwei Jahren sind es jetzt 698, macht ein Plus von gut 14%.
GdP: Kleiner Waffenschein gibt trügerische Sicherheit
Die Gewerkschaft der Polizei in NRW sieht die Entwicklung kritisch: Mit Schreckschusswaffen oder Pfeffersprays sei eine «trügerische Sicherheit» verbunden. Bei öffentlichen Veranstaltungen wie Demonstrationen oder Sportereignissen etwa, sind Schreckschusswaffen und Reizgas verboten. Konzertveranstalter lassen sie ohnehin nicht zu.
GdP: „Akustisches Warnsignal ist hilfreicher“
Die Beamten sehen in Pfeffersprays oder täuschend echt aussehenden Schreckschusspistolen eher eine Gefahr als eine Schutzfunktion. Hilfreicher sei ein lautes akustisches Warnsignal, das abschrecke und auf eine Bedrohung aufmerksam mache.
Angst oft Grund für Antrag auf Kleinen Waffenschein
Den größten Anstieg bundesweit gab es nach den Übergriffen der Silvester-Feier in Köln 2016, als Frauen durch Gruppen junger Männer, vornehmlich aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum, sexuell bedrängt wurden. Die Nachfrage stieg dadurch und aus Angst vor Terroranschlägen und Einbrüchen vorübergehend um 85%, sank danach jedoch wieder.
„Trauen dem Staat nicht zu, sie zu schützen“
Für die GdP zeigt die Entwicklung, „dass Teile der Bevölkerung dem Staat nicht zutrauen, sie zu schützen und sich lieber bewaffnen wollen.“ Für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung sei es wichtig, dass mehr Polizei auf der Straße sichtbar ist. Die Gewerkschaft fordert für eine solche Steigerung der Präsenz, dass weiter jährlich 2500 neue Polizisten ausgebildet werden.